Praxis für kognitive Verhaltenstherapie – Luise Bomke

Frau mit geschlossenen Augen und Hand auf der Brust in der Natur – Symbolbild für Erleichterung und den ersten Schritt in die Psychotherapie

5 Dinge, die ich mir gewünscht hätte, bevor ich in Psychotherapie ging

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5 Dinge, die ich mir gewünscht hätte, bevor ich in Psychotherapie ging

In meiner Praxis führe ich viele Erstgespräche. Und fast immer – irgendwann in den ersten Sitzungen – kommt ein Satz, der mich jedes Mal berührt:

„Ich wünschte, ich hätte das früher gewusst.“

Menschen meinen damit unterschiedliche Dinge. Manche hätten früher Hilfe gesucht. Andere hätten sich weniger Druck gemacht, im Erstgespräch „alles richtig zu machen“. Wieder andere wären überrascht, wie viel einfacher der Einstieg war als gedacht.

Dieser Artikel ist für alle, die mit dem Gedanken spielen, in Therapie zu gehen – und noch zögern. Hier sind fünf Dinge, die ich immer wieder höre. Dinge, die niemand vorher gesagt hat.

1. Sie müssen nicht wissen, was mit Ihnen „los ist"

Viele Menschen warten darauf, ihr Problem klar benennen zu können, bevor sie sich melden. Sie wollen nicht „umsonst“ kommen. Oder sie haben Angst, dass ihre Belastung „nicht schlimm genug“ ist.

Das braucht es nicht.

Ein Satz wie „Ich fühle mich seit Monaten irgendwie neben mir“ oder „Ich weiß nicht mehr, warum ich morgens aufstehe“ reicht völlig aus. Es ist meine Aufgabe, gemeinsam mit Ihnen herauszufinden, was dahintersteckt – nicht Ihre.

Sie müssen nicht vorsortiert ankommen. Sie dürfen mit dem Chaos kommen, so wie es ist.

2. Das Erstgespräch ist kein Test

Ich höre oft: „Ich hab mir vorher überlegt, was ich sagen soll.“ Manche haben sich Stichpunkte aufgeschrieben. Manche haben stundenlang nachgedacht, wie sie ihre Geschichte „richtig“ erzählen.

Das Erstgespräch ist kein Bewerbungsgespräch und kein Verhör.

Es geht darum, dass wir uns kennenlernen. Ich möchte verstehen, was Sie bewegt – nicht eine perfekt formulierte Zusammenfassung Ihres Lebens hören. Stocken, Schweigen, Unsicherheit: das ist alles normal und vollkommen in Ordnung.

Und ganz ehrlich? Die Momente, in denen jemand nicht mehr weiterkommt und einfach sagt „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll“ – das sind oft die aufschlussreichsten.

3. Es wird nicht sofort „besser" – und das ist kein schlechtes Zeichen

Therapie ist kein Schalter, den man umlegt. Viele Menschen erwarten, nach den ersten Sitzungen bereits Erleichterung zu spüren. Wenn das nicht passiert, zweifeln sie: Liegt das an mir? An der Methode? Bin ich ein hoffnungsloser Fall?

Manchmal wird es am Anfang sogar kurz schwerer, weil Themen auftauchen, die lange vergraben lagen.

Das bedeutet nicht, dass etwas falsch läuft. Es bedeutet, dass echte Arbeit beginnt.

Veränderung in der kognitiven Verhaltenstherapie passiert durch Wiederholung, durch das geduldige Hinterfragen von Gedankenmustern – nicht über Nacht. Wer das versteht, geht anders in den Prozess.

4. Die Beziehung zur Therapeutin ist wichtiger als die Methode

Studien zeigen es, meine Erfahrung bestätigt es: Der entscheidende Wirkfaktor in der Therapie ist nicht die Methode, sondern die therapeutische Beziehung.

Das bedeutet: Wenn Sie nach dem Erstgespräch das Gefühl haben, dass die Chemie nicht stimmt – sagen Sie es. Oder suchen Sie weiter. Das ist kein Scheitern, das ist Selbstfürsorge.

Ich erlebe es als Kompliment, wenn jemand sagt: „Ich glaube, ich brauche jemanden mit einem anderen Ansatz.“ Denn es zeigt, dass die Person weiß, was sie braucht.

Eine gute Therapeutin möchte nicht, dass Sie bleiben, weil Sie sich nicht trauen zu gehen. Sie möchte, dass Sie bleiben, weil es sich richtig anfühlt.

5. Hilfe zu suchen ist keine Schwäche – aber das wissen Sie schon

Dieser Punkt steht in jedem Artikel über Therapie. Und trotzdem schreibe ich ihn, weil er in der Praxis noch immer der Satz ist, der am längsten braucht, um wirklich anzukommen.

Ich habe Menschen in Erstgesprächen sitzen, die monatelang gezögert haben. Die sich schämten. Die dachten, sie müssten das alleine schaffen.

Und fast alle sagen irgendwann: „Ich wünschte, ich wäre früher gekommen.“

Nicht weil Therapie ein Wundermittel ist. Sondern weil es etwas verändert, wenn man aufhört, alleine gegen sich selbst zu kämpfen.

Ein letzter Gedanke

Wenn Sie gerade überlegen, ob Sie den ersten Schritt machen sollen: Sie müssen noch nicht entschieden haben. Sie müssen noch nicht wissen, ob Therapie das Richtige für Sie ist.

Ein unverbindliches Kennenlerngespräch ist genau dafür da – um herauszufinden, ob es passt. Ohne Druck, ohne Verpflichtung.

Wenn Sie mögen, können Sie hier einen Termin vereinbaren. Ich freue mich darauf, Sie kennenzulernen.