Praxis für kognitive Verhaltenstherapie – Luise Bomke

Symbolbild für Herbst- und Winterdepression – Heilpraktikerin für Psychotherapie Luise Bomke, Berlin-Friedrichshain

Wenn der Herbst auf die Seele drückt: Herbst- und Winterdepression besser verstehen

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Wenn der Herbst auf die Seele drückt: Herbst- und Winterdepression besser verstehen

Es wird früher dunkel, der Himmel bleibt tagelang grau, und irgendetwas in Ihnen wird leiser. Der Morgen fällt schwerer, der Abend kommt zu früh, und Dinge, die im Sommer selbstverständlich waren, kosten plötzlich Kraft.

Viele Menschen kennen das und tun es als „Herbstmüdigkeit“ ab. Bei manchen steckt aber mehr dahinter: eine saisonal abhängige Depression, im Alltag meist Herbst- oder Winterdepression genannt. Sie ist real, gut erforscht und behandelbar.

Was ist eine Herbst- oder Winterdepression?

Fachlich sprechen wir von einer saisonal abhängigen Depression (SAD). Sie tritt über mehrere Jahre hinweg immer in der dunklen Jahreszeit auf, meist ab Oktober oder November, und klingt im Frühling wieder ab.

Eine Winterdepression ist etwas anderes als der bekannte „Winterblues“, also eine leichte Verstimmung, die viele Menschen im Winter erleben. Bei einer Depression halten die Beschwerden über Wochen an und beeinträchtigen den Alltag, die Arbeit und die Beziehungen spürbar.

Als Erklärung wird vor allem der Lichtmangel diskutiert. Weniger Tageslicht kann den Schlaf-Wach-Rhythmus, den Melatoninhaushalt und den Botenstoff Serotonin beeinflussen. Nicht jeder reagiert gleich empfindlich darauf. Manche Menschen sind einfach anfälliger.

Woran erkenne ich sie?

Eine Winterdepression zeigt sich oft etwas anders als die klassische Depression. Typisch sind:

Gedrückte Stimmung. Eine anhaltende Traurigkeit oder Leere, die nicht mehr von selbst weggeht.

Antriebslosigkeit. Alles fühlt sich schwer an, selbst kleine Aufgaben. Der Körper wirkt wie in Zeitlupe.

Übermäßiges Schlafbedürfnis. Viele schlafen deutlich mehr als sonst und sind trotzdem morgens nicht erholt.

Heißhunger, besonders auf Süßes und Kohlenhydrate. Das kann mit einer Gewichtszunahme einhergehen.

Sozialer Rückzug. Verabredungen werden abgesagt, Nachrichten bleiben unbeantwortet, und das Sofa wird zum Zentrum des Lebens.

Konzentrationsprobleme und Interessenverlust. Dinge, die sonst Freude machen, lassen kalt.

Gedanken wie „Ich schaffe nichts mehr“ oder „Mit mir stimmt etwas nicht“. Auch das gehört zu den Symptomen.

Wenn mehrere dieser Anzeichen über zwei Wochen oder länger bestehen, ist es sinnvoll, genauer hinzuschauen.

Wie die kognitive Verhaltenstherapie unterstützen kann

Die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) gehört zu den wirksamen Ansätzen bei Depressionen. Sie ist auch bei der saisonalen Form gut untersucht. Sie setzt an zwei Stellen an: bei dem, was Sie tun, und bei dem, was Sie dabei denken.

1. Verhaltensaktivierung: den Rückzug unterbrechen

Eine Depression erzeugt einen Teufelskreis. Weil die Stimmung niedrig ist, tun wir weniger. Weil wir weniger tun, erleben wir weniger Positives, und die Stimmung sinkt weiter.

In der Therapie durchbrechen wir diesen Kreislauf in kleinen, machbaren Schritten. Dabei geht es nicht um Willenskraft, sondern um einen realistischen Einstieg: ein Spaziergang bei Tageslicht, ein Treffen, ein kleiner Termin am Tag. Die Motivation kommt oft erst nach dem Tun.

2. Gedanken erkennen und hinterfragen

In der dunklen Jahreszeit entstehen häufig Gedanken wie:

„Es wird nie wieder besser.“
„Ich bin einfach zu schwach für den Winter.“
„Ich bin eine Last für andere.“

Solche Gedanken fühlen sich wie Tatsachen an. Mit KVT lernen Sie, sie als Gedanken zu erkennen, sie zu prüfen und alternative, realistischere Sichtweisen zu entwickeln. Das macht die Situation nicht schön, aber es nimmt dem Grübeln die Wucht.

3. Struktur und Rhythmus

Ein stabiler Tagesablauf mit festen Aufsteh- und Schlafenszeiten, Mahlzeiten und Bewegung gibt dem Körper Halt, wenn das Licht fehlt. In der Therapie entwickeln wir gemeinsam einen Rhythmus, der zu Ihrem Alltag passt.

4. Einen anderen Umgang mit dem Winter finden

Für manche Menschen ist der Winter eine Zeit, die sie innerlich ablehnen. Dieser Widerstand kostet zusätzlich Kraft. In der Therapie schauen wir auch darauf, welche Einstellungen zur dunklen Jahreszeit hilfreich sind und welche Sie unnötig belasten.

Was Sie selbst tun können

Diese Impulse ersetzen keine Behandlung, können aber unterstützen:

  • Tageslicht nutzen. Gehen Sie möglichst jeden Tag vor die Tür, am besten vormittags. Auch an grauen Tagen ist es draußen deutlich heller als drinnen.
  • Lichttherapie erwägen. Eine Tageslichtlampe mit 10.000 Lux, morgens etwa 30 Minuten genutzt, gilt als wirksame Unterstützung bei der saisonalen Depression. Lassen Sie sich vorher ärztlich beraten, vor allem bei Augenerkrankungen.
  • Feste Rituale schaffen. Gleiche Aufsteh- und Schlafenszeiten stabilisieren den inneren Rhythmus.
  • Sich bewegen. Schon ein kurzer Spaziergang hebt die Stimmung messbar.
  • Verabredungen einplanen. Auch wenn die Lust fehlt: Ein fester Termin mit einem Menschen, der Ihnen guttut, ist ein wirksamer Gegenpol zum Rückzug.
  • Körperliche Ursachen abklären lassen. Müdigkeit und Antriebslosigkeit können auch andere Gründe haben, zum Beispiel einen Vitamin-D-Mangel oder eine Schilddrüsenerkrankung. Ein Besuch bei der Hausärztin oder dem Hausarzt schafft Klarheit.

Wann Sie sich Unterstützung holen sollten

Holen Sie sich Hilfe, wenn Ihre Stimmung über mehrere Wochen gedrückt bleibt, wenn Sie im Alltag kaum noch funktionieren oder wenn Sie jedes Jahr im Herbst in dasselbe Loch fallen.

Wenn Sie Gedanken haben, sich das Leben zu nehmen, wenden Sie sich bitte sofort an die Telefonseelsorge (kostenfrei, rund um die Uhr: 0800 111 0 111), an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt oder an den Notruf 112.

Ein letzter Gedanke

Eine Herbst- oder Winterdepression hat nichts mit Schwäche oder mangelnder Disziplin zu tun. Sie ist eine Reaktion von Körper und Psyche auf Lichtmangel, und sie lässt sich behandeln. Wer früh hinschaut, muss den Winter nicht einfach durchstehen und kann ihn anders erleben.

In meiner Praxis in Berlin-Friedrichshain begleite ich Menschen dabei, ihre Gedankenmuster zu verstehen und wieder ins Handeln zu kommen. Wenn Sie das anspricht, vereinbaren Sie gern ein unverbindliches Kennenlerngespräch.