Praxis für kognitive Verhaltenstherapie – Luise Bomke

Symbolbild für den Denkstil Selbstwert durch Leistung – Heilpraktikerin für Psychotherapie Luise Bomke, Berlin-Friedrichshain

Wenn Leistung nicht mehr reicht: Über den Selbstwert, der am Erfolg hängt

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Wenn Leistung nicht mehr reicht: Über den Selbstwert, der am Erfolg hängt

Nach außen läuft alles. Guter Job, Anerkennung, Ziele, die erreicht werden. Und trotzdem – irgendwann, oft abends oder in einem seltenen Moment der Stille – kommt das Gefühl: Reicht das? Reiche ich?

Menschen, die ich in dieser Verfassung in meiner Praxis erlebe, sind selten gescheitert. Im Gegenteil. Sie sind erfolgreich, zuverlässig, oft die Ersten, die liefern. Aber ihr Selbstwert hängt an einem unsicheren Haken: dem, was sie leisten.

Was bedeutet „Selbstwert durch Leistung"?

In der kognitiven Verhaltenstherapie beschreiben wir damit eine tief verankerte Überzeugung, die ungefähr so klingt:

„Ich bin wertvoll, weil ich leiste. Wenn ich nicht leiste – oder nicht gut genug bin – dann bin ich es nicht.“

Das ist kein bewusster Gedanke. Die meisten Menschen würden ihn sofort ablehnen, wenn man ihn so direkt ausspräche. Aber er wirkt im Hintergrund – in der Unfähigkeit, sich wirklich auszuruhen. In der Angst vor Kritik. In dem Gefühl, sich Zuneigung verdienen zu müssen.

Woher kommt dieses Muster?

Es entsteht früh. Oft in Umgebungen, in denen Zuwendung – bewusst oder unbewusst – an Leistung geknüpft war. An gute Noten. An Bravheit. An Funktionieren.

Das Kind lernt: Wenn ich gut bin, bin ich sicher. Wenn ich versage, verliere ich etwas – Zuneigung, Anerkennung, Zugehörigkeit.

Als Erwachsener ist dieses Kind längst nicht mehr da. Aber die Überzeugung ist geblieben. Und sie hat gelernt, sich gut zu tarnen – als Ehrgeiz, als Disziplin, als Professionalität.

Wie es sich anfühlt

Menschen mit diesem Muster beschreiben sehr ähnliche Erfahrungen:

Ruhe fühlt sich falsch an. Ein freies Wochenende löst keine Entspannung aus, sondern ein diffuses Unbehagen. Das Gefühl, etwas zu versäumen – oder nicht zu sein, wenn man nicht tut.

Erfolge verpuffen schnell. Ein Projekt ist abgeschlossen, ein Ziel erreicht – und statt Erfüllung kommt sofort das nächste. Die Freude hält nicht. Sie kann nicht halten, weil der Selbstwert nicht gespeichert wird, sondern immer neu erarbeitet werden muss.

Kritik trifft unverhältnismäßig. Eine sachliche Rückmeldung zur Arbeit fühlt sich wie ein Angriff auf die Person an. Weil Arbeit und Wert innerlich nicht getrennt sind.

Das Vergleichen hört nicht auf. Wer bin ich im Verhältnis zu anderen? Leiste ich genug? Bin ich gut genug? Diese Fragen stellen sich immer wieder – unabhängig davon, was objektiv erreicht wurde.

Was Kognitive Verhaltenstherapie hier leistet

Der therapeutische Ansatz setzt nicht bei der Leistung an – sondern bei der Überzeugung dahinter.

Der erste Schritt ist, das Muster sichtbar zu machen. Viele Menschen erkennen erst in der Therapie, wie eng ihr Selbstwertgefühl mit externen Maßstäben verknüpft ist. Dieser Moment – das Erkennen – ist oft bereits eine Erleichterung.

Der zweite Schritt ist, die Überzeugung zu hinterfragen. Nicht wegzureden, sondern wirklich zu prüfen: Stimmt das? Bin ich weniger wert, wenn ich einen Fehler mache? Wenn ich einen Tag nichts leiste? Wenn ich krank bin?

Der dritte Schritt ist der schwierigste: einen Selbstwert aufzubauen, der nicht von außen abhängt. Der nicht verdient werden muss. Der einfach da ist.

Eine Übung aus der Praxis

Schreiben Sie an einem ruhigen Moment drei Sätze auf – je einen zu diesen Fragen:

Was bin ich, unabhängig von dem, was ich leiste? Nicht was Sie tun. Was Sie sind. Als Mensch, als Freundin, als Partner, als jemand mit einer Geschichte, mit Werten, mit einer Art, in der Welt zu sein.

Wann fühle ich mich gut – ohne dass Leistung eine Rolle spielt? Viele Menschen brauchen hier eine Weile. Das ist bereits eine Information.

Was würde ich einem Menschen sagen, den ich liebe – wenn er dieselben Maßstäbe an sich anlegt wie ich an mich? Dieser letzte Satz ist oft der wirksamste. Weil wir anderen gegenüber meist fairer sind als uns selbst.

Was sich verändert

Menschen, die an diesem Muster arbeiten, beschreiben keine dramatische Verwandlung. Eher eine schrittweise Verschiebung. Sie bemerken, dass sie einen Fehler machen können – und dass es aushaltbar ist. Dass ein freier Abend keine Bedrohung ist. Dass Zuneigung nicht erarbeitet werden muss.

Das klingt selbstverständlich. Für viele ist es das lange nicht.

Ein letzter Gedanke

Wenn Sie sich in diesem Artikel wiedererkennen – dann nicht, weil etwas mit Ihnen nicht stimmt. Sondern weil Sie ein Muster tragen, das irgendwann sinnvoll war. Das Sie geschützt hat. Und das Sie heute mehr kostet, als es gibt.

In der kognitiven Verhaltenstherapie arbeiten wir daran, dieses Muster zu verstehen – und Schritt für Schritt zu verändern. Nicht damit Sie weniger leisten. Sondern damit Leistung aufhört, die Bedingung für Ihren Wert zu sein.

Wenn Sie das anspricht, freue ich mich auf ein unverbindliches Kennenlerngespräch.