Praxis für kognitive Verhaltenstherapie – Luise Bomke

Frau hält sich selbst umarmend – Symbolbild für Selbstwert, Selbstannahme und einen achtsamen Umgang mit sich selbst

Selbstwert stärken

Selbstwert stärken

Warum er so wichtig ist und wie er sich entwickeln kann

Viele Menschen kommen mit dem Gedanken in die Therapie, nicht gut genug zu sein. Sie zweifeln an sich, stellen ihre Bedürfnisse zurück oder bewerten sich selbst besonders kritisch. Oft fällt dann ein Wort, das zunächst schwer greifbar erscheint: Selbstwert.

Doch was bedeutet Selbstwert eigentlich – und warum spielt er für unser psychisches Wohlbefinden eine so zentrale Rolle?

Was ist Selbstwert?

Der Selbstwert beschreibt, wie wir uns selbst wahrnehmen und bewerten. Er zeigt sich in der inneren Haltung uns selbst gegenüber – unabhängig von Leistung, Anerkennung oder äußeren Erfolgen.

Ein stabiler Selbstwert bedeutet nicht, sich ständig gut zu fühlen oder frei von Zweifeln zu sein. Vielmehr geht es darum, sich auch in schwierigen Momenten mit einer gewissen inneren Freundlichkeit und Akzeptanz begegnen zu können.

Wie entsteht ein niedriger Selbstwert?

Ein geringes Selbstwertgefühl entwickelt sich meist nicht plötzlich. Häufig entsteht es über Jahre hinweg – durch Erfahrungen, Beziehungen und innere Überzeugungen.

Typische Einflussfaktoren können sein:

  • frühe Kritik oder fehlende emotionale Sicherheit

  • hohe Erwartungen an sich selbst

  • wiederholte Grenzüberschreitungen

  • das Gefühl, funktionieren zu müssen, um anerkannt zu werden

Diese Erfahrungen prägen innere Glaubenssätze wie:

„Ich genüge nicht.“
„Ich muss leisten, um wertvoll zu sein.“
„Meine Bedürfnisse sind nicht wichtig.“

Wie zeigt sich ein angeschlagener Selbstwert im Alltag?

Ein niedriger Selbstwert kann sich auf sehr unterschiedliche Weise bemerkbar machen, zum Beispiel durch:

  • starke Selbstkritik

  • Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen

  • Angst vor Ablehnung oder Fehlern

  • ständiges Vergleichen mit anderen

  • das Gefühl, „nicht richtig“ zu sein

Oft sind diese Muster so vertraut, dass sie kaum noch hinterfragt werden – obwohl sie viel innere Anstrengung kosten.

Selbstwert ist veränderbar

Eine wichtige und entlastende Botschaft lautet: Selbstwert ist kein festes Persönlichkeitsmerkmal.
Er kann sich verändern, entwickeln und stabilisieren – auch im Erwachsenenalter.

In der psychotherapeutischen Arbeit geht es nicht darum, sich „positiv zu überreden“. Vielmehr geht es darum, innere Muster zu erkennen, ihre Entstehung zu verstehen und neue, realistischere Sichtweisen zu erproben.

Wie kann Psychotherapie beim Thema Selbstwert unterstützen?

In der Therapie wird der Selbstwert nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenhang mit:

  • Beziehungen

  • inneren Überzeugungen

  • aktuellen Lebenssituationen

  • emotionalen Reaktionen

Gemeinsam kann herausgearbeitet werden:

  • welche inneren Stimmen besonders kritisch sind

  • woher diese Bewertungen stammen

  • welche alternativen, wohlwollenderen Perspektiven möglich sind

Der Prozess verläuft schrittweise – und orientiert sich an dem, was für Sie gerade möglich und hilfreich ist.

Selbstwert stärken heißt nicht, perfekt zu werden

Ein häufiges Missverständnis ist die Annahme, ein stabiler Selbstwert bedeute, sich immer selbstbewusst zu fühlen oder keine Zweifel mehr zu haben. Das Gegenteil ist oft der Fall.

Ein tragfähiger Selbstwert zeigt sich darin, mit Unsicherheit, Fehlern und Schwäche umgehen zu können – ohne sich selbst abzuwerten.

Ein Thema, das Zeit und Raum braucht

Sich mit dem eigenen Selbstwert auseinanderzusetzen, erfordert Mut und Geduld. Es ist kein schneller Prozess, sondern eine Entwicklung, die Zeit braucht – und sich dennoch nachhaltig auf viele Lebensbereiche auswirken kann.

Ein erster Schritt kann darin bestehen, die eigenen inneren Bewertungen überhaupt wahrzunehmen und ihnen mit Neugier statt mit Verurteilung zu begegnen.

Orientierung statt Bewertung

Wenn Sie merken, dass Selbstzweifel, innere Unsicherheit oder ständige Selbstkritik Sie belasten, kann eine therapeutische Begleitung helfen, neue Wege im Umgang mit sich selbst zu finden.

In einem Kennenlerngespräch haben Sie die Möglichkeit, Ihr Anliegen zu schildern und zu prüfen, ob eine gemeinsame Arbeit für Sie stimmig ist.