Selbstwert stärken
Warum er so wichtig ist und wie er sich entwickeln kann
Viele Menschen kommen mit dem Gedanken in die Therapie, nicht gut genug zu sein. Sie zweifeln an sich, stellen ihre Bedürfnisse zurück oder bewerten sich selbst besonders kritisch. Oft fällt dann ein Wort, das zunächst schwer greifbar erscheint: Selbstwert.
Doch was bedeutet Selbstwert eigentlich – und warum spielt er für unser psychisches Wohlbefinden eine so zentrale Rolle?
Was ist Selbstwert?
Der Selbstwert beschreibt, wie wir uns selbst wahrnehmen und bewerten. Er zeigt sich in der inneren Haltung uns selbst gegenüber – unabhängig von Leistung, Anerkennung oder äußeren Erfolgen.
Ein stabiler Selbstwert bedeutet nicht, sich ständig gut zu fühlen oder frei von Zweifeln zu sein. Vielmehr geht es darum, sich auch in schwierigen Momenten mit einer gewissen inneren Freundlichkeit und Akzeptanz begegnen zu können.
Wie entsteht ein niedriger Selbstwert?
Ein geringes Selbstwertgefühl entwickelt sich meist nicht plötzlich. Häufig entsteht es über Jahre hinweg – durch Erfahrungen, Beziehungen und innere Überzeugungen.
Typische Einflussfaktoren können sein:
frühe Kritik oder fehlende emotionale Sicherheit
hohe Erwartungen an sich selbst
wiederholte Grenzüberschreitungen
das Gefühl, funktionieren zu müssen, um anerkannt zu werden
Diese Erfahrungen prägen innere Glaubenssätze wie:
„Ich genüge nicht.“
„Ich muss leisten, um wertvoll zu sein.“
„Meine Bedürfnisse sind nicht wichtig.“
Wie zeigt sich ein angeschlagener Selbstwert im Alltag?
Ein niedriger Selbstwert kann sich auf sehr unterschiedliche Weise bemerkbar machen, zum Beispiel durch:
starke Selbstkritik
Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen
Angst vor Ablehnung oder Fehlern
ständiges Vergleichen mit anderen
das Gefühl, „nicht richtig“ zu sein
Oft sind diese Muster so vertraut, dass sie kaum noch hinterfragt werden – obwohl sie viel innere Anstrengung kosten.
Selbstwert ist veränderbar
Eine wichtige und entlastende Botschaft lautet: Selbstwert ist kein festes Persönlichkeitsmerkmal.
Er kann sich verändern, entwickeln und stabilisieren – auch im Erwachsenenalter.
In der psychotherapeutischen Arbeit geht es nicht darum, sich „positiv zu überreden“. Vielmehr geht es darum, innere Muster zu erkennen, ihre Entstehung zu verstehen und neue, realistischere Sichtweisen zu erproben.
Wie kann Psychotherapie beim Thema Selbstwert unterstützen?
In der Therapie wird der Selbstwert nicht isoliert betrachtet, sondern im Zusammenhang mit:
Beziehungen
inneren Überzeugungen
aktuellen Lebenssituationen
emotionalen Reaktionen
Gemeinsam kann herausgearbeitet werden:
welche inneren Stimmen besonders kritisch sind
woher diese Bewertungen stammen
welche alternativen, wohlwollenderen Perspektiven möglich sind
Der Prozess verläuft schrittweise – und orientiert sich an dem, was für Sie gerade möglich und hilfreich ist.
Selbstwert stärken heißt nicht, perfekt zu werden
Ein häufiges Missverständnis ist die Annahme, ein stabiler Selbstwert bedeute, sich immer selbstbewusst zu fühlen oder keine Zweifel mehr zu haben. Das Gegenteil ist oft der Fall.
Ein tragfähiger Selbstwert zeigt sich darin, mit Unsicherheit, Fehlern und Schwäche umgehen zu können – ohne sich selbst abzuwerten.
Ein Thema, das Zeit und Raum braucht
Sich mit dem eigenen Selbstwert auseinanderzusetzen, erfordert Mut und Geduld. Es ist kein schneller Prozess, sondern eine Entwicklung, die Zeit braucht – und sich dennoch nachhaltig auf viele Lebensbereiche auswirken kann.
Ein erster Schritt kann darin bestehen, die eigenen inneren Bewertungen überhaupt wahrzunehmen und ihnen mit Neugier statt mit Verurteilung zu begegnen.
Orientierung statt Bewertung
Wenn Sie merken, dass Selbstzweifel, innere Unsicherheit oder ständige Selbstkritik Sie belasten, kann eine therapeutische Begleitung helfen, neue Wege im Umgang mit sich selbst zu finden.
In einem Kennenlerngespräch haben Sie die Möglichkeit, Ihr Anliegen zu schildern und zu prüfen, ob eine gemeinsame Arbeit für Sie stimmig ist.
