Tabuthema Psychotherapie – warum es so schwerfällt, Hilfe anzunehmen
Für viele Menschen ist der Gedanke an Psychotherapie noch immer mit Scham, Unsicherheit oder innerem Widerstand verbunden. Obwohl psychische Belastungen weit verbreitet sind, gilt es für viele als schwerer Schritt, sich Unterstützung zu suchen. Psychotherapie bleibt damit häufig ein Tabuthema – leise, verborgen und mit vielen Vorurteilen behaftet.
Dabei ist psychische Gesundheit ein wesentlicher Teil unseres Wohlbefindens und unserer Lebensqualität.
„Ich müsste das doch alleine schaffen“
Ein häufiger Gedanke, den viele Menschen mitbringen, lautet:
„So schlimm ist es doch gar nicht.“
„Andere haben es viel schwerer.“
„Ich sollte damit selbst klarkommen.“
Diese inneren Sätze haben oft wenig mit fehlender Motivation zu tun – sondern viel mit erlernten Erwartungen: stark zu sein, zu funktionieren, nicht zur Last zu fallen. Hilfe anzunehmen wird dann fälschlicherweise als Schwäche interpretiert, obwohl es in Wahrheit Mut und Selbstverantwortung erfordert.
Woher kommt das Tabu?
Psychotherapie war lange Zeit mit Stigmatisierung verbunden. Psychische Erkrankungen wurden bagatellisiert, missverstanden oder als persönliches Versagen bewertet. Auch heute wirken diese Bilder noch nach – selbst dann, wenn wir rational wissen, dass sie nicht stimmen.
Hinzu kommt: Viele Menschen wissen schlicht nicht, was in einer Psychotherapie tatsächlich passiert. Unklarheit erzeugt Unsicherheit – und Unsicherheit führt oft dazu, einen wichtigen Schritt aufzuschieben.
Psychotherapie bedeutet nicht „krank sein“
Ein verbreiteter Irrtum ist die Annahme, man müsse „krank genug“ sein, um eine Therapie zu beginnen. In meiner Praxis erlebe ich häufig Menschen, die:
sich innerlich erschöpft fühlen
immer wieder in denselben belastenden Mustern feststecken
mit Verlust, Veränderung oder Überforderung konfrontiert sind
den Wunsch nach Orientierung, Entlastung oder persönlicher Entwicklung haben
Psychotherapie ist kein Zeichen von Scheitern, sondern eine Möglichkeit, sich selbst besser zu verstehen, neue Perspektiven zu entwickeln und bewusster mit sich umzugehen.
Was passiert eigentlich in einer Psychotherapie?
Psychotherapie ist ein geschützter Raum. Ein Raum, in dem Sie mit Ihren Gedanken, Gefühlen und Fragen willkommen sind – ohne bewertet oder gedrängt zu werden.
Es geht nicht darum, schnelle Lösungen zu liefern oder „richtiges Verhalten“ vorzugeben. Vielmehr geht es darum, gemeinsam zu verstehen:
Was belastet Sie aktuell?
Welche inneren Muster wirken?
Welche Veränderungen sind für Sie hilfreich und stimmig?
Das Tempo bestimmen Sie.
Hilfe annehmen darf sich leicht anfühlen
Der erste Schritt ist oft der schwerste. Umso wichtiger ist es, dass er sich sicher, respektvoll und transparent anfühlt. Ein unverbindliches Kennenlerngespräch kann helfen, Fragen zu klären, Unsicherheiten abzubauen und zu prüfen, ob eine therapeutische Begleitung für Sie passend ist.
Psychotherapie muss kein Tabu sein. Sie darf ein Ausdruck von Selbstfürsorge, Klarheit und persönlichem Wachstum sein.
Ein erster, stiller Schritt
Vielleicht lesen Sie diesen Text aus Neugier. Vielleicht, weil Sie gerade viel mit sich tragen. Oder weil Sie spüren, dass sich etwas verändern darf – auch wenn noch nicht klar ist, wie.
Wenn Sie möchten, begleite ich Sie ein Stück auf diesem Weg.
