Praxis für kognitive Verhaltenstherapie – Luise Bomke

Frau sitzt erschöpft auf dem Sofa und hält den Kopf – Symbolbild für Überforderung im Alltag und mentale Erschöpfung

Überforderung im Alltag – wenn selbst einfache Aufgaben zu viel werden

Überforderung im Alltag – wenn selbst einfache Aufgaben zu viel werden

Wenn der Alltag plötzlich schwerfällt

Viele Menschen erleben Phasen, in denen der Alltag plötzlich schwer wiegt. Aufgaben, die früher selbstverständlich erledigt wurden, fühlen sich auf einmal überwältigend an. Der Gedanke an den Haushalt, das Beantworten von Nachrichten oder das Vereinbaren von Terminen kann innere Anspannung auslösen oder zu einem vollständigen Stillstand führen. Häufig folgt darauf eine leise, aber schmerzhafte Frage: Warum schaffe ich das nicht mehr?

Überforderung bei Alltagsaufgaben ist ein häufiges Thema in der psychotherapeutischen Arbeit. Sie entsteht selten plötzlich und hat meist wenig mit fehlender Motivation oder mangelnder Disziplin zu tun.

Innere Erschöpfung und Selbstkritik

Betroffene beschreiben häufig ein Gefühl innerer Erschöpfung. Obwohl objektiv „nicht viel zu tun“ scheint, fühlt sich jede Handlung anstrengend an. Gedanken kreisen um das, was erledigt werden müsste, ohne dass es gelingt, ins Tun zu kommen. Daraus entstehen nicht selten Schuldgefühle oder Selbstvorwürfe, die die Überforderung zusätzlich verstärken.

Hohe innere Anforderungen als Verstärker

Ein zentraler Faktor ist die innere Haltung gegenüber den eigenen Anforderungen. Viele Menschen tragen starke Soll- und Muss-Gedanken in sich. Der Anspruch, funktionieren zu müssen – unabhängig davon, wie es einem gerade geht – erhöht den inneren Druck erheblich. Je größer dieser Druck wird, desto schwerer fällt es oft, einen ersten Schritt zu gehen.

Wenn Vermeidung kurzfristig entlastet

In solchen Situationen kommt es häufig zu Rückzug oder Aufschieben. Kurzfristig kann das Erleichterung bringen, langfristig wächst jedoch das Gefühl, den Überblick zu verlieren. Aufgaben werden innerlich größer, während das Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit weiter abnimmt. So entsteht ein Kreislauf, der die Überforderung aufrechterhält.

Ein verständlicher Blick aus der kognitiven Verhaltenstherapie

In der kognitiven Verhaltenstherapie wird Überforderung nicht als persönliches Versagen verstanden, sondern als nachvollziehbare Reaktion auf anhaltende Belastungen. Gemeinsam wird betrachtet, welche Gedanken und Erwartungen die Überforderung verstärken und ob diese noch zu den aktuellen Kräften passen. Ziel ist es, Anforderungen realistisch einzuordnen und innere Flexibilität zu fördern.

Kleine Schritte statt großer Ansprüche

Ein wichtiger therapeutischer Ansatz besteht darin, den Fokus von „alles schaffen“ auf kleine, machbare Schritte zu lenken. Aufgaben werden in überschaubare Einheiten unterteilt und nicht mehr als unüberwindbares Ganzes betrachtet. Gleichzeitig wird an einem wohlwollenderen inneren Umgang gearbeitet, der Raum für Pausen, Grenzen und menschliche Unvollkommenheit lässt.

Überforderung als Signal verstehen

Überforderung kann als Hinweis darauf verstanden werden, dass etwas aus dem Gleichgewicht geraten ist. Sie ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Signal dafür, dass innere oder äußere Belastungen zu groß geworden sind. Diese Perspektive kann helfen, sich selbst mit mehr Verständnis zu begegnen.

Ein behutsamer Weg zurück in den Alltag

Der Weg zu mehr Alltagssicherheit verläuft selten geradlinig. Er braucht Zeit, Geduld und oft auch Unterstützung. Psychotherapie kann dabei helfen, den Alltag neu zu strukturieren, innere Erwartungen zu überprüfen und wieder Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit zu entwickeln. Nicht alles muss auf einmal gelingen. Manchmal reicht es, wieder einen ersten Schritt zu gehen – und diesen als ausreichend anzuerkennen.